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  Kreisverband Steglitz-Zehlendorf

10.9.2010, 18:49 Uhr.

 

Steglitz

Besiedelt war das Gebiet des heutigen Bezirks schon in vorgeschichtlicher Zeit, was auch archäologische Funde beweisen. Die ältesten Funde stammen aus Ansiedlungen in der jüngeren Jungsteinzeit. Zu Zeiten der Völkerwanderung zogen viele germanische Stämme durch die Moränenlandschaft von Teltow. Um 500 n. Chr. gelangten auch Slawen in das sehr dünn besiedelte Gebiet.

Die erste urkundliche Erwähnung über Steglitz betrifft den Ortsteil Lankwitz: Die Markgrafen Johann und Otto überlassen das Dorf dem Nonnenkloster zu Spandau. Der Name Steglitz taucht erst drei Jahre später in einer Schenkungsurkunde auf, mit der ein Heinrich von Stegelitze das bei Potsdam gelegene Dorf Arnestrop (heute: Ahrensdorf) dem Kloster Lehnin übereignete. Ob die Herren von Stegelitze auch die Gründer und Namensgeber von Steglitz sind, ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise ist der Name auch slawischen Ursprungs. Darauf weist die im Märkischen sehr häufige Endung "itz" (= Ansiedlung) hin. "Stygl" bedeutet soviel wie Neige oder Abhang am Berg. Steglitz wäre demnach die Ansiedlung "Am Berghang". Gestützt wird die Annahme auch durch die ursprüngliche Lage des Dorfes am Fuß des Fichtenberges.

Bierpinsel an der Schloßstraße

Im 13.Jahrhundert gründeten flämische Einwanderer Lichterfelde und Giesensdorf, die sich im 19. Jahrhundert zu der Gemeinde Lichterfelde zusammenschlossen. Der Name stammt von ihrem südlich der belgischen Stadt Brügge gelegenen Heimatort ab.

Während des 18. Jahrhunderts verlief die Entwicklung der vier Teltow-Dörfer recht ähnlich. Die insgesamt etwa 200 bis 300 Menschen lebten in Armut weil die eher unfruchtbaren Böden nur geringe Erträge einbrachten. Außerdem gehörte das Land ihren jeweiligen Gutsherren, die ihnen das Land lediglich zur Pacht überlassen hatten, und mussten sich daher immer dem Willen der Gutsherren neigen. Das änderte sich erst mit den Steinschen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, durch die die Bauern Besitzer des von ihnen beackerten Landes wurden.

Die wirtschaftliche Lage von Steglitz änderte sich mit dem Bau der ersten gepflasterten Straße Preußens im Jahr 1792, die Berlin mit Potsdam verband. Bis dahin waren die Dörfer im Südwesten Berlins für hohe Beamte attraktiv, weil man dort nahe der Hauptstadt und nahe der Sommerresidenz des Großen Kurfürsten, Potsdam, wohnte. So erwarb auch 1802 der Großkanzler Carl Friedrich von Beyme das Gut und Dorf Steglitz. Nach dessen Tod, verkaufte seine Tochter das Gut an den preußischen Fiskus. Das Gutsgelände wurde in Parzellen aufgeteilt und verkauft. Hier entstand die Kolonie Neu-Steglitz. Der Seidenbauunternehmer Johann Adolf Heese brauchte Land für eine Maulbeerbaumplantage, was er dort fand, und errichtete eine Seidenfabrik, woraus nach und nach das Zentrum der preußischen Seidenproduktion wurde.

Das Wappen von Steglitz

Für Lichterfelde begann die Zeit des Aufschwungs um 1865, als der Hamburger Großkaufmann Johann Anton Wilhelm Carstenn die völlig verschuldeten Güter Giesensdorf und Lichterfelde kaufte. Sein Ziel war es, einen für die besser verdienenden Kreise der Bevölkerung Berlins interessanten Villenvorort zu schaffen: neben der Errichtung der Hauptkadettenanstalt versuchte er die neue Kolonie mit der weltweit ersten Straßenbahnstecke, die um 1881 von dem Unternehmen Siemens & Halske fertig gestellt wurde, noch attraktiver zu machen. Lichterfelde wurde außerdem durch dir Flugversuche des weltberühmten Erfinders Otto Lilienthal (1848 - 1896) bekannt. Sein "Fliegeberg" an der heutigen Lichterfelder Schütte-Lanz-Straße wurde 1932 zu einer Lilienthal-Gedenkstätte umgestaltet.

Lankwitz war der Ortsteil, der am spätesten zu einem großen Bezirk heranwuchs. Seine wirtschaftlich Entwicklung hat Lankwitz vor allem dem Kaufmann Felix Rosenthal zu verdanken, der ähnlich wie Carstenn Bauernland am Südhang der Rauhen Berge kaufte, parzellierte und zu einer Gartenstadt mit Landhäusern bebauen ließ.

Rathaus Steglitz heute

Rathaus Steglitz früher

Immer mehr Menschen zogen nach Steglitz, was einen extremen Bevölkerungsanstieg zur Folge hatte. Im Jahre 1905 gab es allein in Steglitz bereits 32.905 Einwohner. Deshalb wollten auch viele Einwohner, dass Steglitz eine eigenständige Stadt werde, doch der Kreis Teltow wollte

nicht auf die Einnahmen aus der reichen Gemeinde Steglitz verzichten. Darum blieb sie bis nach dem 1. Weltkrieg das größte Dorf Preußens.

Am 01. Oktober 1920 wurden aus den Dörfern Lichterfelde, Lankwitz, Steglitz und Südende der Bezirk Steglitz gebildet.

Zurzeit des Nationalsozialismus war Steglitz auch ein bedeutender Bezirk, sowohl für NSDAP-Anhänger als auch für NSDAP-Gegner. Nach der Machtübernahme Hitler 1933 wurden dort überregionale Einrichtungen der NSDAP angesiedelt. Die "SS-Leibstandarte Adolf Hitler" wurde in die Gebäude der ehemaligen Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde eingerichtet. Hier fanden 1934 aufgrund des "Röhm-Putsches" zahlreiche Erschießungen statt. Doch es entstanden auch Widerstands gruppen gegen den Nationalsozialismus, wie die "Gruppe Onkel Emil" um Ruth Andreas-Friedrich und Leo Borchard oder der "Kreisauer Kreis" in der Wohnung von Peter Graf Yorck von Wartenburg.

Nach dem 2. Weltkrieg war Steglitz bis zum Abzug der Alliierten aus der deutschen Hauptstadt auch amerikanisch geprägt, weil sich hier vier militärische Stützpunkte der Amerikaner befanden.

Zehlendorf

Wie Steglitz ist auch Zehlendorf 1920 durch das Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlins als Verwaltungseinheit aus mehreren gewachsenen Orten geschaffen worden. Das alte Dorf und die spätere Landgemeinde Zehlendorf war der Namensgeber eines artifiziellen Gebildes, zu dem drei weitere Landesgemeinden und fünf Gutsbezirke zusammengefasst wurden. Es hat eine eigene Geschichte, die im folgenden kurz dargestellt werden soll:

Im Jahre 1992 feierte der Bezirk seinen 750. Geburtstag. Die Gründung des Bezirkes, also die erste urkundliche Erwähnung, wird auf das Jahr 1242 gesetzt, als die damals gemeinsam regierenden Landesherren Johann I. und Otto II das Dorf an die Zisterzienser Mönche von Lehnin verkauften, denen es bis zum Jahre 1542 gehörte, was auch eine in diesem Jahre ausgestellte Urkunde bezeugt.

So konnten sich die Lehniner Mönche ein kleines Zentrum geschaffen, von dem aus sie Zehlendorf organisierten. Die hier arbeitenden Menschen kamen zunächst aus Nachbardörfern. Die Zisterzienser ließen eine Kirche, eine Mühle, eine Schmiede und einen Dorfkrug bauen und versuchten das Dorf zunächst nach einem landwirtschaftlichen erprobten Schema zu strukturieren.

Die Zehlendorfer Feldmark, 1251 durch den Zukauf von Krummensee erweitert, bot für etwa 140 Menschen genug Platz zum leben.

In den drei Seen, Tusen (heute: Nikolassee), Schlachtensee und Krumme Lanke, fanden die Dorfbewohner genug Fisch und Reet (wurde früher zum Bauen von Häusern benötigt). Die im Westen liegenden, leichten Böden wurde für Holz- und Weideflächen benutzt, die vornehmlich im Osten liegenden fruchtbaren Lehm- und Mergelböden wurden zum Anbau von Getreide gebraucht.

Bahnhof Mexikoplatz heute

Bahnhof Mexikoplatz früher

Da im 16.Jahrhundert ganz Brandenburg reformiert wurde und aller kirchlicher Besitz eingezogen wurde, kam auch Zehlendorf 1542 unter die Verwaltung des Kurfürstlichen Amtes Mühlenhof. Im Gegensatz zu anderen Dörfern in der Umgebung erholte sich Zehlendorf nach dem 30-jährigen Krieges recht schnell. Es wurde jetzt auch ein vom Amt verordnete "Gemeine Dorf Ordnung" aufgestellt, die in 15 Paragrafen verbindliche Moral- und Rechtsgrundsätze beinhaltete.

Der Bau des Schlosses in Potsdam wirkte sich positiv auf Zehlendorf aus, was genau zwischen Potsdam und der Hauptstadt lag. Beispielsweise ließ ein Neffe von Friedrich II. die erste Preußische Chaussee zwischen den Residenzen errichten, um damit den Kutschverkehr zu beschleunigen.

Das Wappen von Zehlendorf

Doch wirtschaftlich ging es mit Zehlendorf erst mit dem Bau der ersten Preußischen Eisenbahn 1838/39 voran, die zwischen Potsdam und Berlin mit Zwischenhalt in Zehlendorf verkehrte. So war es etwa 40 Jahre später möglich, in Berlin zu arbeiten und auf "dem Lande" zu leben. Dies ermöglichten besonders die folgenden beiden Reformen: Zum Einen wurde das Land, welches zuvor den Grundbesitzern gehörte, den Bauern übertragen und zum Andern eine neue Landgemeindeordnung verabschiedet, die die langsame Selbstverwaltung vorsah.

Unternehmen erwarben ganze Bauerngüter, um sie parzelliert und manche schon fertig bebaut an Kunden aus Berlin weiterzuverkaufen. Sowohl große Villen weltberühmter Architekten als auch Genossenschaftssiedlungen für die Ärmeren bis hin zu großen und modernen Baukomplexen stehen für die bauliche Entwicklung seit der Gründung bis heute.

Weil Berlin Anfang des 20. Jahrhundert dem riesigen Strom an Einwanderern nicht genügen Platz bieten konnte, wurden 1920 die Gutsbezirke Dahlem, Kleinglienicke, Pfaueninsel und nördlicher Potsdamer Forst und die Landgemeinden Zehlendorf, Wannsee und Nikolassee, als Verwaltungsbezirk Zehlendorf der Stadt Berlin angegliedert. Später kamen noch Schwanenwerder und das Gut Düppel hinzu.

Seit 1876 tagte die Zehlendorfer Gemeindeverwaltung im alten Schulhaus. Weil jetzt mehr Platz für die Verwaltung benötigt

wurde, erweiterte man den Verwaltungsraum notgedrungen durch zwei Anbauten. Doch auch in den nächsten Jahren gab die

Gemeinde ihr selbst verwaltetes Geld für große Schulbauten aus, so dass der Bezirksbürgermeister erst 1929 in ein

standesgemäßes Amtszimmer im neu erbauten Rathaus einziehen konnte. Aber schon 5 Jahre später wurden das Bezirksamt und

die Bezirksverordnetenversammlung aufgelöst. Stattdessen wurden sechs Bezirksbeigeordnete eingesetzt, die dem nationalsozialistischen Bürgermeister untergeordnet waren.

Das Wappen von

Steglitz-Zehlendorf

Ähnlich wie Steglitz spielte auch Zehlendorf zu Zeiten des 2. Weltkrieges und der Vorkriegsjahre eine bedeutende Rolle. Das bekannteste Gebäude ist wohl das Haus der Wannseekonferenz, in dem 1942 die "Endlösung der Judenfrage" in die Wege geleitet wurde. Außerdem wurden im Dahlemer Institut für Anthropologie rassistische Menschenversuche angestellt und im Reichsgesundheitsamt die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma unterstützt.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es dann wieder freie Wahlen und 1946 begannen das Bezirksamt und der neu gewählte Bürgermeister mit ihrer Arbeit. Weil jetzt die Verwaltung mehr Platz beanspruchte wurden an das Rathaus 1953/54 und 1971 Erweiterungsbauten angefügt.

Auch das Aussehen Zehlendorfs wurde von der Präsens der amerikanischen Alliierten geprägt. : Freizeitbereiche, Kasernen, Wohnquartiere, Versorgungseinrichtungen und Schulen wurden während der DDR-Zeit aufgebaut. Auch heute noch gehört das das deutsch-amerikanische Volksfest zu den beliebtesten Veranstaltungen Berlins, bei dem sich früher Berliner und Amerikaner feiernd begegneten.

Seitdem Berlin Hauptstadt Deutschlands ist, ziehen immer mehr Menschen, darunter auch sehr viele Bonner, nach Steglitz-Zehlendorf. Im Rahmen der Berliner Bezirksreform Haben beide Bezirke am 1. Januar 2001 fusioniert.

 
 

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